Unterdrückung
und Mord im Zeichen der Minderheitenpolitik.
Tausende
sind es, die von der philippinischen Regierung in den letzten Jahren hinterhältig
ermordet wurden. Bürgerliche Menschenrechtsorganisationen gehen zwar von
unterschiedlich hohen Zahlen aus, doch viele sind sich darüber einig, dass
das hochgradig korrupte Regime der Präsidentin Gloria M. Arroyo mit durchwegs
faschistisch zu nennenden Methoden gegen Oppositionelle allgemein und Linke im
Besonderen vorgeht. Doch plötzlich macht dieses Regime der muslimischen
Minderheit großzügige Offerte...
Neben
der Repression gegen jegliche Gegner des Regimes an sich, spielt auch die
nationale Unterdrückung, die Repression gegen Ethnien eine große Rolle.
Diesbezüglich kämpfte die „Moro Nationale Befreiungsfront“ (MNLF) seit
1968 gegen das philippinische Regime und für eine autonome muslimische
Provinz im Süden des katholisch ausgerichteten Landes, legte aber 1996 die
Waffen nieder. Nachdem die Regierung in Manila aber systematisch damit
fortfuhr die muslimische Minderheit in sämtlichen Belangen zu unterdrücken,
führte die „Moro-Islamische-Befreiungsfront“ (MILF) den bewaffneten Kampf
gegen die Regierung weiter.
Als
KomunistInnen lehnen wir Religion an sich ab. Die Frage danach warum die äußerst
erfolgreiche Kommunistische Partei der Phillipienen (CPP) mit der MILF
teilweise eng zusammenarbeitet, ist also durchaus berechtigt. Die CPP führt
mit der von ihr kommandierten Neuen Volksarmee (NPA) seit rund 40 Jahren einen
bewaffneten Kampf gegen das Regime. In diesem Kampf, konnten große befreite
Gebiete erkämpft werden. In diesen wurden und werden Landreformen zu Gunsten
der bisher landlosen Bauern, Enteignungen von Fabriken und Errichtung von
Arbeiterräten, Frauengerichte, etc... umgesetzt. Die philippinische Regierung
wird so massiv von den USA unterstützt, wie derzeit kaum ein anderes Land auf
der Welt. Nach dem 1.. September 2001 war die herrschende Clique in Manila
eine der ersten, die sich zum „internationalen Kampf gegen den
Terrorismus“ an der Seite der USA wiederfand. Inzwischen wurde dieser
„Antiterrorkampf“ von Arroyo zum „Feldzug gegen den kommunistischen
Terror“ erklärt. Man sieht wo die
Unterhändler des US-Imperialismus in Manila ihren Hauptfeind
ausmachen. Für die CPP und die NPA ist wegen der auf den Philippinen
herrschenden Zustände die Schmiedung einer breiten Front gegen die Regierung
also eine Hauptaufgabe um die Revolution voranzutreiben – Arroyo und ihre
Clique müssen immer weiter destabilisiert werden. Vor diesem Hintergrund geht
man auch taktische Bündnisse mit der MILF ein. Weiters kommt es neben solchen
taktischen Vereinbarungen auch zu einer engen Zusammenarbeit zwischen der MILF
und der „Nationaldemokratischen Front der Philippinen“ (NDFP). In dieser
NDFP sind vielerlei Organisationen Zusammengefasst, wesentliche Teile von
ihnen orientieren sich an der CPP, bzw. sind deren direkte
Vorfeldorganisationen.
Nun
unterbreitete die philippinische Regierung der MILF ein Angebot, in dem sie
groszügige Zugeständnisse an die MILF festschrieb. Zugeständnisse, von
denen noch im letzten Jahr noch nicht zu träumen gewagt werden durfte. Doch
so schön sich das nun alles anhört, wurde von vielen Seiten festgestellt,
dass die von der Regierung vorgelegte Vereinbarung ( auch MOA genannt) nicht
das Papier Wert ist, auf dem sie geschrieben steht. Um auch nur einen Teil der
in der MOA versprochenen Autonomierechte der muslimischen Bevölkerung
durchzusetzen, bedürfte es einer Verfassungsänderung. Eine solche wird von
Präsidentin Arroyo sogar angestrebt. Doch ist es nun so dass sich, mehr oder
weniger über Nacht, ein Kurswechsel der Arroyo-Regierung vollzog? Nein, ganz
und gar nicht. Denn während nun Gespräche zwischen Regierung und MILF
laufen, brennen Regierungstruppen Dörfer der muslimischen Bevölkerung nieder
und bombardieren Stellungen von Rebellen die sich dagegen wehren. Die Führung
der MILF ist derzeit aber so auf das MOA und die darin versprochenen
Verbesserungen erpicht, dass deren Sprecher die Rebellen welche sich gegen Übergriffe
wehrten als „Abrtünnige von der MILF“ bezeichnete. Die Illusionen der
MILF werden zusätzlich durch die erwähnte von Arroyo angestrebte Verfassungsänderung
geschürt. Was dabei aber übersehen wird, ist der wichtige Charakter des MOA
für die philippinische Regierung selbst. Durch eine Verfassungsänderung,
welche dann offiziell zwecks des MOA durchgeführt wird, könnte die
herrschende Clique der US-Handlanger auch es bewerkstelligen neben dem Präsidentenamt
auch im Parlament weiterzuregieren. Das wäre, wegen der auslaufenden Amtszeit
von Gloria Arroyo bisher nicht möglich gewesen. Das MOA-Paket, das scheinbar
ein Entgegenkommen an die muslimische Minderheit darstellt ist also bestens
dazu geeignet die Macht der faschistischen Regierung zu untermauern und ihr
neuen Rückenwind zu geben. Dass nun schon während der Verhandlungen zwischen
MILF-Führern und Regierung immer wieder militärische Operationen von statten
gehen, ist somit nicht verwunderlich, sondern, ganz im Sinne des MOA, dazu
angetan einen immer weiteren Keil in die MILF und die hinter ihr stehende
Bewegung zu treiben. Sogar die bei weitem nicht revolutionäre
Friedensorganisation „Initiative for Peace in Mindanao“ erkennt: „Arroyo
zwingt das Abkommen dem philippinischen Volk auf, um ihre eigene politische
Kontrolle endlos zu verlängern, und nicht, um die Autonomie der Muslime zu fördern.“
Diese Machtfestigung ist für die herrschende Arroyo-Clique und ihre
US-amerikanischen Hintermänner notwendig um den „Feldzug gegen den
Kommunismus“ durch ihren eigenen faschistischen Terror weiterführen zu können.
José Maria Sison, Sprecher der NDFP, erklärt dazu: „Die
Regierung der Philippinen und
ihre imperialistischen Meister benutzen das MOA lediglich als Instrument der
beabsichtigten Großzügigkeit gegenüber der MILF, um die propagandistische
Initiative zu erbeuten, um die inoffiziellen Gespräche zwischen der Regierung
der Philippinen und der MILF und den Waffenstillstand zu verlängern und größere
USA- und philippinische Truppen gegen die MILF und die Bangsamoros (größtes
muslimisches Volk - RM) zu stationieren“. Schließlich kommt er aber
auch darauf, konkret vor Illusionen durch die Verhandlungen zu warnen, hebt
die Notwendigkeit der revolutionären Organisierung heraus:
„Es
wird keine andere Wahl gelassen als die, den revolutionären Kampf zu führen,
um bei ihrer (der muslimischen Minderheit und der MILF – RM) Sache der
nationalen Selbstbestimmung voranzukommen. Es gibt eine wachsende
Notwendigkeit für die Einheit und Zusammenarbeit zwischen der MILF und der
NDFP in ihrem unterschiedlichen und gemeinsamen Herangehen und Zielen gegenüber
denselben Gegnern.“(Beide Zitate aus J.M.Sisons Stellungnahme „Hinterhältig
vorgetäuschte Großzügigkeit von USA-Imperialismus und Arroyo-Regime)
Aus:
Roter Morgen Nummer 17, Seite 8