Das
Resultat kapitalistischer Ausbildungspolitik:
12.000
Lehrstellen fehlen!
Wer
kennt ihn nicht, den Satz „Geht´s der
Wirtschaft gut, geht´s uns allen gut!“? Viel zitiert und gepredigt, vor
allem von Seiten der Herrschenden. Dass diese Aussage einige gröbere Haken hat
und schlichtweg nicht richtig ist, müssen derzeit rund 12.000 Jugendliche am
eigenen Leib erfahren. 12.000 weil genau diese Zahl an Lehr- und
Ausbildungsstellen fehlt.
Bei
der Suche nach Gründen sind Regierung, AMS und Sozialpartner einfallslos wie
immer. Sie bemühen sich nicht mal mehr eine einigermaßen „elegante“ Lüge
vorzuschieben, sondern kauen permanent ihre gleichen Phrasen wieder. Einerseits
sei das Ost- West-Gefälle schuld meinen da die einen. Natürlich ist es
richtig, dass in Osten Österreichs die Situation bei weitem nicht so sehr im
Argen liegt wie im Westen, ist es doch so, dass unter anderem der Großteil der
wichtigeren Industriestandorte in Westösterreich liegt. Andererseits ist es
mehr als nur ein schein-heiliger Versuch, die Verantwortung für diesen
schlimmen Zustand auf die geo-graphischen Gegebenheiten zu schieben. Lehrstellen
fehlen an machen Orten mehr und an anderen Orten weniger, fehlen tun sie aber überall,
12.000 Lehrstellensuchende fallen schließlich nicht vom Himmel. Ein weiterer,
aggressiverer, Erklärungsversuch der herrschenden Herrschaften in den
Chefetagen von Politik, Gewerkschaft und Wirtschaft ist, dass die Jugendlichen
ganz einfach selber Schuld seien. Deswegen nämlich, weil wir einfach viel zu
unflexibel sind. Und tatsächlich, wenn man in den Chefetagen eines Konzerns,
oder einer arbeiterInnenfeindlichen Gewerkschaft, sitzt mag einem das ja
wirklich so erscheinen, die Frage warum wer wegen einer Lehrstelle nicht einfach
hunderte Kilometer übersiedelt, stellt sich für solche Herrschaften nicht in
der Form wie für uns Lohnabhängige. Dass normale Menschen gewöhnlich dort wo
sie sind Umfeld haben, ein Umzug ihnen verflucht viel kostet, dass man erst mal
eine neue Wohnung finden muss die dann mit einem Lehrlingsgehalt zu erhalten ist
und die freie Lehrstelle eigentlich gar nicht das ist was man auch nur
ansatzweise sucht, das alles ist also das, was einen „unflexibel“ macht.
„Unflexibel“, ein Schlagwort als „Begründung“ für eine Situation die
durch nichts, aber wirklich gar nichts zu rechtfertigen ist. Bedauerlicherweise
wird genau diese Begründung aber von vielen, meist mit Ausnahme der
Betroffenen, geschluckt. Zähne-knirschend gibt man zu, dass einen die ganze
Flexibilität eigentlich ziemlich angeht, doch es ist halt so usw,
blabla...Dabei ist es genau das, dass viele Lohnabhängige (in welchem Alter
auch immer) solche Argumente schlucken, was dazu führt, dass sich in
Wirklichkeit nichts verbessert. Natürlich tun die Gewerkschaftsbonzen und
SP-Chefs so, als ob sie versuchen würden etwas gegen den chronischen
Lehrstellenmangel zu unternehmen und natürlich wollen Vertreter von ÖVP und
Wirtschaftskammer von einem angeblichen Lehrstellenmangel nichts wissen (und
wenn doch, sind halt wieder die Unflexiblen schuld). Das ist immerhin ihr Job.
Wirkliche Unterschiede in ihrem Handeln, gibt es zwischen all diesen Fürsprechern
des Kapitalismus keine, denn der Kapitalismus ist es, der zu dieser Situation
geführt hat und den sie verteidigen!
Ein
Lehrling ist für einen Kapitalisten dem eine Firma gehört immer weniger Wert
geworden. Beispielsweise kann durch immer weitere Aufteilung der Arbeitsschritte
immer mehr Arbeit an „unqualifizierte“ HilfsarbeiterInnen abgegeben werden.
Es wird also immer weniger nötig, sich extra Leute, denen man den gesamten
Arbeitsprozess in Theorie und Praxis begreiflich machen muss, auszubilden.
Daraus aber zu schlussfolgern, dass Lehrlinge und HilfsarbeiterInnen getrennte
Interessen hätten, ist falsch. Beide werden vom Kapital für die
„niedrigsten“ Arbeiten im Betrieb eingesetzt und bekommen am wenigsten dafür.
Die Konkurrenz in der sie zueinander stehen, ist dadurch ebenfalls eine von
Kapital fabrizierte, denn als ArbeiterInnen haben sie gemeinsame Interessen. Der
einzige zu dem wir als Lehrlinge wirklich in einem Interessensgegensatz stehen,
ist der Chef. Diese Leute leben davon, dass sie sich all die Werte, die durch
unsere Tätigkeit geschaffen werden, in die eigene Tasche stecken. Nur einen
Teil davon geben sie uns, das nennt man dann Lohn. Ihrem Streben danach, dass
sie ihren Profit immer weiter ausbauen, immer mehr aus den ArbeiterInnen
herauspressen, entspricht es auch, dass es ihnen im Grunde scheißegal ist, wie
viele Leute eine Lehrstelle haben und wie viele nicht. Jemanden auszubilden
kostet Geld und wird daher nur gemacht, wenn der Profit der von der Arbeitskraft
abgeworfen wird auch passt. Warum ausbilden, wenn man den gleichen Profit günstiger
erzielen kann... Da aus diesem System heraus Zahlen zum „Arbeitsmarkt“
erwachsen, die dann doch recht unschön ausschauen, bedienen sich die
Herrschenden vieler Kniffe und Tricks. Hier sind u.a. AMS-Kurse zu nennen, ihre
Hauptaufgabe ist es die Statistik zu schönen. Dass es nicht zur Motivation der
Jobsuchenden beiträgt, wenn sie durch die regionale AMS-Stelle zum fünften mal
in einen „Wie führe ich ein richtiges Bewerbungsgespräch“-Kurs gesteckt
werden, ist mehr als nur verständlich. Besser wird nämlich für die
lehrstellensuchenden Jugendlichen durch solche Kurse nichts, denn wenn keine
Leh-stellen da sind, hilft auch ein wirklich gutes Bewerbungsgespräch nichts.
Das alles führt zu einem Konkurrenzdruck unter den Lehrlingen, immer mehr lässt
man sich gefallen um ja die Lehrstelle nicht an einen anderen zu verlieren. Die
Arbeiterkammer (AK) verzeichnet immer mehr Fälle von Lehrlings-misshandlung am
Arbeitsplatz. Viele ließen das mit sich machen, die Angst vor den Folgen eines
möglichen Aufbegehrens sitzt bei den Betroffenen tief. Doch was wird getan? Außer
dass die AK diese ansteigenden Zahlen dokumentiert passiert nämlich nicht sehr
viel. Die Gewerkschaft schweigt sich zur Situation der Jugendlichen ohnehin aus,
was nicht überrascht. Wann nahm sich die ÖGB-Führung, außer in Zeiten
diverser Wahlkämpfe, denn schon den Jugendlichen an? Genau, nie. Wer nun aber
meint dass es dafür doch die Österreichische Gewerkschaftsjugend (ÖGJ) gibt,
die sich doch gerade um diese Dinge kümmern müsste, irrt ebenfalls gewaltig.
Von ihr ist beinahe noch weniger zu erwarten als von der Mutterorganisation, den
ÖGB. Viel mehr machen der ÖGJ derzeit die Bemalung ihres neuen Tourbusses und
die Organisierung eines Musikfestes Sorgen.
Das
sind zumindest die Themen ihrer aktuellen Publikationen. Gleichzeitig erhöht
sich aber auch der Druck auf jene die Arbeit haben. Immer mehr Arbeit muss im
Betrieb von immer weniger Personen erledigt werden, deshalb auch die neue
Arbeitszeitrichtlinie der EU, welche eine Ausweitung auf bis zu über 60 Stunden
vorsieht. Dass diese Arbeitszeitrichtlinie mit tatkräftiger Hilfe des ÖGB
zustande gekommen ist, sei hier nur mal am Rande erwähnt. Die alte Forderung
der Arbeiterinnenbewegung nach einer radikalen Verkürzung des Arbeitstages
(welche übrigens auch die zentrale Forderung in den Anfängen der 1.
Mai-Demonstrationen war) gewinnt (leider) wieder einmal kräftig an
Rechtfertigung.
Die
Gewerkschaft in Österreich ist ein direktes, unmittelbares
Herrschaftsinstrument der Bosse und Chefs. Dass sie nicht für uns bzw. mit uns
ArbeiterInnen kämpft, ist alles andere als verwunderlich. Ihre Aufgabe wäre
(im eigentlichen Sinne des Begriffes einer Gewerkschaft) zumindest, dass sie
sich durch wirksame Kampfmaßnahmen für die Schaffung von Ausbildungsplätzen
und gegen das Ausspielen der ArbeiterInnen untereinander einsetzt. Wollen
erreichen dass es eine solche Gewerkschaft gibt, müssen wir uns selbst
organisieren, wobei hierzu wohl auf eine zeitweilige Arbeit auch innerhalb des
ÖGB/ÖGJ nicht verzichtet werden kann. Immerhin muss der Basis dieser
Organisationen der wahre Charakter ihrer Führungen gezeigt werden, muss der
Kampf gegen genau diese führenden Bonzen von unten organisiert sein,
Alternativen aufgezeigt werden. Aber auch der beste gewerkschaftliche Kampf wird
dieses System derzeit nicht beseitigen, er kann nur zeitweilige (aber wichtige!)
Verbesserungen bringen. Wer nun aber über den betrieblichen Kampf hinaussieht,
erkennt, dass es das ganze politische System ist das all die Übel hervorbringt
mit denen wir uns herumzuschlagen haben. Die 12.000 fehlenden Ausbildungsplätze,
haben den gleichen Grund wie Kriege für Profitinteressen und ausgebauter Überwachungsstaat
– Interessen des Kapitals. Gegenüber diesem System, dem Kapitalismus, ist der
einzig effektive Lösungsansatz die Vernichtung des Kapitalismus. Das muss klar
sein. Um diesen zu stürzen haben wir uns in einer eigenen Organisation der
Jugend zusammengefunden. Das bietet jedem einzelnen die Möglichkeit, seiner
Stimme mehr Gewicht zu verleihen und so gemeinsam mit anderen immer mehr zu
gewerkschaftlicher Kampftätigkeit und proletarischer Revolution in Österreich
beizutragen zu können, und das ist notwendig. Täglich sehen wir, dass die
Chefs immer mehr Gewinne machen, wir aber immer weniger bezahlt bekommen. Das es
der Wirtschaft gut geht, ist für die ArbeiterInnen in Österreich also einen
Feuchten wert. Viel mehr ist es nämlich so, dass es uns allen dann gut gehen
wird, wenn es der Sache des Sozialismus gut geht!
Bildet
kämpferische Lehrlingskomitees!
Aus:
Roter Morgen Nummer 17 (August/September 2008) Seite 1/2/3